Unsere Ernährung als Fluchtgrund von heute und morgen

Janine Winterkind

50 mio Flüchtlinge in den nächsten 10 Jahren? Und was hat das mit unseren Würstchen zu tun?

Ich hatte es vor zwei Tagen schon auf meiner privaten Facebookseite gepostet aber wollte auch nochmal hier darauf aufmerksam machen. (“The value of Land”, Sept. 2015, ein Bericht des ELG in Zusammenarbeit mit der GIZ und des BWZ zeigt weitere Zusammenhänge der Flüchtlingsströme und Lösungsansätze auf). Ich habe mal kurz zusammengefasst, was jeder von uns gegen weitere Flüchtlingsgründe tun kann. Es geht hierbei um Bodenzerstörung, Wasserknappheit und Hunger als eine Ursachen, dessen Ausmaß uns noch nicht offensichtlich ist. Es ist nur ein Aspekt von vielen aber einer, den wir mit der Änderung unserer Ernährungsgewohnheit in die richtige Richtung lenken können. Ein Schritt, der schon lange hätte sein müssen. Noch ist der Welthunger in den Industrieländern wenig spürbar. Doch lt. “the value of land” wird sich das in den nächsten 10 Jahren ändern.

Wir alle wissen, dass die Wasserversorgung in vielen Ländern seit Jahren angezapft ist und ausgebeutet wird. Menschen wurden gezwungen, ihre Ländereien aufzugeben und Platz zu machen, für riesige Monokulturflächen. Beides aus nur 2 Gründen: Würstchen für die Industrienationen “anzubauen” (viele Kilo Futtermittel für wenige Kilo Fleisch) und den unersättlichen Hals derer zu stopfen, die den Nahrungsmittelmarkt der gesamten Erde kontrollieren wollen. Im Moment schreitet die Bodenzerstörung auf der Welt für unseren Fleischhunger immer weiter fort. Ruinierte Kleinbauern bleiben zurück. Das zerstört dort wichtige Arbeitsplätze und die Nahrungsgrundlage ganzer Regionen. Armut und Wasserknappheit sind weitere Folgen. Das ist ein weiterer selbst erzeugter Flüchtlingsgrund. Lt. dem Bericht werden schätzungsweise 50 Mio. Menschen in den nächsten 10 Jahren in die Flucht getrieben.

Es gibt viele Ursachen für die Entstehung der momentanen Situation und die meisten können wir nicht direkt beeinflussen. Aber wir können helfen, wo es nur geht. Es geht um eine lohnenswerte Zukunft für alle Menschen. Was wir Konsumenten gefordert haben, müssen auch wir wieder heilen. Fangen wir am besten gleich damit an.

Unsere Ernährungsweise können wir ganz einfach ändern, wenn wir weitestgehend tierfrei, regional und saisonal essen. Warum das Gegenteil davon ganze Regionen zerstört, habe ich hier schonmal aufgezeigt.
Mit dieser einfachen ursprünglichen Ernährungsweise können wir Böden der Natur zurück geben und Bauern die Chance, ihre Region wieder selbst zu ernähren. Eine tierfreie, regionale und saisonale Ernährung ist zudem vielseitiger und viel gesünder als der momentane Zustand auf den meisten Tellern.
Unterstütze nicht die riesigen übermächtigen Nahrungsmittelindustrien. Nutze was gegeben ist – Ein halbes Jahr lang können wir so viel Nahrung aus der Natur ernten. Wir müssen nur wieder lernen, die Augen offen zu halten, Gegebenes nutzen und selbst zu pflanzen. Täglich laufe ich an Obstbäumen und Beerensträuchern und Nussbäumen vorbei, die kaum jemand beerntet. Die Bäume hängen voll und Niemand pflückt etwas. Wir essen täglich davon und frieren immer noch Kiloweise für den Winter ein. Wir sind nicht auf Monokulturen und Importe angewiesen. Salate kannst du das ganze Jahr über mit Wildgrün bereichern. Meine Familie und ich sammeln das ganze Jahr aus der Natur und haben so mehr Geld übrig für den Zukauf an Nahrungsmitteln von Firmen, die Prinzipien haben und sich für einen unbestreitbar guten Zweck einsetzen. Solche Nahrungsmittel findest du in Reformhäusern und Biomärkten. Oder du unterstützt unsere Kleinbauern im Direktverkauf. Frage dort ruhig nach den Bedingungen, unter denen angebaut oder zugekauft wird. Damit zeigst du, dass bessere Nahrung gefragt ist. Der Kunde bestimmt das Angebot. Fordern wir gute Nahrung, liefert der Markt auch gute Nahrung.
Im Sommer kannst du alles frisch holen und mit ein bisschen Arbeitsaufwand für den Winter vorsorgen um die wenigeren Wintergemüse ein bisschen aufzupeppen.

Wenn du einen Garten hast, versorge dich mit ein paar Dingen selbst. Es erfordert gar nicht so viel Arbeit, macht Spaß und bringt Freude. Seele, Augen und Gaumen werden es dir danken. Wir haben nur einen kleinen Garten und sind gerade noch dabei, diesen nach den Grundprinzipien der Permakultur anzulegen um vieles zu ernten. Aber einmal geplant wird erstmal deutlich, welches Potenzial in ein paar Quadratmetern Boden stecken. Auch Balkonkübel können gut genutzt werden und sogar ohne dies auch jedes große Hausfenster. Durch Guerilla Gärtnern können wir sogar noch mehr nutzen und einfach wild anbauen. Google einfach mal nach Guerilla Gärtnern und du wirst erstaunt sein, wie groß die Bewegung schon ist und welche großartigen Erfolge wir damit erzielen können. Jeder pflanzt, jeder hilft und jeder kann ernten. Wer nicht selbst gärtnern möchte, kann auch bei der SoLaWi fündig werden. Lasst uns diese Möglichkeiten nutzen, um zumindest den armen Ländern ihre Nahrungsgrundlage zurück zu geben. Ein Teil stabiliert den Anderen. Können Bauern sich erstmal wieder erholen, sind sie auch wichtige Arbeitgeber vor Ort.

Jeder von uns kann sicher viele Gründe für Flüchtlingsströme aufzählen, aber das bringt uns nicht weiter. Wenn jeder von uns an einem Teil ansetzt und nach und nach hilft, wo er kann, trägt jeder dazu bei, ein friedliches und sorgenfreies Leben miteinander auf der Erde zu fördern.

Es ist Zeit, den eigenen Tellerrand zu verlassen.
Es ist nie zu spät, hinzuschauen, zu denken, zu beginnen, zu helfen und zu verändern.

 

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