Unser Weg bei veganer Ernährung und Rohkost mit Kindern

Ich möchte heute erklären, wie wir die roh-vegane Ernährung bei Kindern sehen und in unserer Familie handhaben. Ich habe lange überlegt, ob ich die Ernährung meiner Tochter als Beispiel hier mit einfließen lasse, und habe mich dafür entschieden. Denn was nützt es, wenn ich die Theorie erzähle. Jeder weiß, dass in der Praxis alles anders kommt. Ob wir unsere Tochter roh und vegan ernähren? Ja und nein!

SO WAR DER PLAN
Stillen so lange wie möglich – auf jeden Fall über ein Jahr. Ab einem halben Jahr zufüttern und weiter stillen.
Ich finde, die eigene Muttermilch ist die wichtigste Grundlage für Säuglinge, denn sie ist inhaltsstofflich genau an die Bedürfnisse des Kindes angepasst. Zufüttern wollte ich dann all das, was Kinder in dem Alter natürlicherweise selbst essen können. Das ist nicht viel, denn was sollen sie denn ohne Zähnchen oder mit gerade mal einem Zähnchen selbst kauen können? Ich finde es deshalb völlig natürlich, wenn Säuglinge anfangs nur wenige Sorten weiches zerdrücktes Obst essen, mehr aber noch nicht. Der Hauptnährstofflieferant bleibt noch eine Weile die Muttermilch.

Warum?
Das Verdauungssystem der Kleinen muss erst lernen, Nährstoffe selbst aus dem Nahrungsbrei zu lösen. Bisher wurde der kleine Körper ja durch die Mutter versorgt. Zur Verdauung benötigte Enzyme müssen jetzt selbst gebildet werden. Dieser Entwicklungsprozess dauert das gesamte erste Lebensjahr an. So lange sichert Muttermilch die Hauptversorgung, denn die Nährstoffe aus der Muttermilch entstammen bereits der Verdauung der Mutter und werden samt Enzyme in bereits vorverdauter Form geliefert.
Die ersten Breie dienen noch nicht der Nährstoffversorgung, sondern eher zur Umgewöhnung. Sie werden zwar verdaut ausgeschiedenen, aber viele Stoffe werden noch nicht entnommen. Muttermilch bleibt das Wichtigste.

Milch ist für Säuglinge und zum Wachsen da.
Ersatzmilch – finde ich ok, auch wenn das nicht dem veganen Gedanken entspricht. Auch im Tierreich werden Säuglinge von fremden Müttern angenommen und gestillt weil sie ohne irgendeine Muttermilch vielleicht nicht überleben würden. Das gleiche Prinzip gilt auch für uns, wir sind ja auch irgendwie Säugetiere. Sobald das Kind jedoch alles und gut isst, finde ich Muttermilch unnötig. Stillen ist noch eine Weile lang eine tolle Möglichkeit, Wärme und Geborgenheit zu schenken aber aus natürlicher Sicht kann abgestillt werden, sobald das Kind ausreichend verschiedene Nahrung isst. (Vergleich zum Tierreich – kein anderes Säugetier säugt seine bald erwachsenen Kinder.)

Aus welchen Quellen die Muttermilch stammt, kann dann immernoch jeder für sich so entscheiden. Ersatzmilch aus dem Drogeriemarkt ist die einfache bequeme Variante, aber auch artfremd, stark industriell verarbeitet und beruht auf einem ausbeuterischen System. Es gibt aber auch Mütter, die ihre Milch spenden. Meine liebe Schwiegermami hat z.B. auch bei der Geburt ihrer Kinder noch ein zweites Kind im Krankenhaus mit Milch versorgt. Hebammen und Stillberaterinnen helfen gerne weiter.

UND JETZT DIE REALITÄT
Stillen hat wunderbar geklappt aber schon zwischen dem 4. und dem 6. Monat hat sich meine Tochter von selbst abgestillt. Während dieser Abstillphase hat sie nur wenige Schlucke täglich getrunken. Ich musste früher als mir lieb war, mit fester Nahrung beginnen und leider auch noch kurze Zeit auf Ersatzmilch umsteigen. Denn der Hauptnährstofflieferant fiel aus.
Begonnen habe ich mit zerstampften Obst und Gemüse, alles schön als Monomahlzeit und nach und nach kombiniert. Damit der kleine Körper langsam lernen kann, die Verdauungsenzyme zu bilden und sich Nährstoffe aus der Nahrung selbst zu holen.
Schon nach ein paar Wochen konnte ich die Breie vollwertig gestalten. Mit mehr Obst- und Gemüsearten, eingeweichten Samen, Nüssen, Kernen oder statt dessen gute Öle; eingeweichten Getreideschrot sowie fermentiertes Gemüse und Tempeh, alles schön püriert. Nur mit der Zugabe der Ersatzmilch war ich noch Unglücklich. Aber ab dem ersten Lebensjahr hat sie dann wirklich alles gegessen, sogar Grapefruit, Sauerkraut und Blattgrün in pürierter Form. Ich konnte die Ersatzmilch endlich absetzen.

erster grüner Smoothie

Erster grüner Smoothie

Rohkost
Ich gebe nicht alles roh. Wir machen oft Breie aus Bohnen, Linsen, Kichererbsen, Reis, Quinoa, Amaranth und Hirse in gekochter Form. Aber es gibt genauso häufig die Hülsenfrüchte als Sprossenmix und geschrotetes Getreide in eingeweichter Form. Ich würde sagen, es hält sich die Waage. Obst bleibt immer roh und beim Gemüse der Großteil.

Kinderernährung in roher Form ist auch überhaupt nicht schwer. Mixer und Blender machen es möglich, in 1 Minute das Essen zuzubereiten! (Diesen Blender benutzen wir)

Vegan
JA! Die Frage steht für mich auch gar nicht zur Debatte. Schließlich gehe ich diesen Weg aus Überzeugung. Ich achte auf ausgewogene vollwertige Mahlzeiten. Genau das gilt aber für jede Ernährungsform, nicht nur für die Vegane. Für mich fühlt es sich richtig an, wieso sollte ich da mein Kind anders ernähren. Wenn sie jedoch bei Freunden und Familie etwas sieht und probieren möchte, dann lasse ich sie auch.

Unsere Kleine Maus wächst und entwickelt sich ganz normal. Sie ist neugierig, erkundungsfreudig und will alles alleine machen. Manches kann sie früher als andere Kinder in ihrem Alter und manches später. Sie ist zierlich aber ich sehe darin kein Problem. Denn die Gründe sind mir klar:
Erstens isst sie nur sehr kleine Portionen, zweitens verbraucht sie alle Kalorien gleich wieder, da sie sehr aktiv ist und dritttens, sie bekommt halt keine Milch zusätzlich zu fester Nahrung. Sie bekommt mit ihrer Nahrung alles und braucht deshalb nicht noch zusätzlich etwas, was so viele Wachstumshormone enthält, dass ein 200 kg-Kalb davon wachsen soll.

(Kalorienaufnahme und -verbrauch – Sie schafft es einfach nicht, lange genug beim Essen zu bleiben. Ihr wird langweilig und dann rennt sie davon. Ich versuche ihr oft nebenbei noch was anzubieten. Manchmal isst sie ihr Frühstück über den ganzen Tag verteilt. Also eigentlich zu wenig. Während des Tages ist sie sehr aktiv und verbraucht deshalb jede Menge Energie. Kalorien die sie eigentlich gar nicht gegessen hat. Manchmal frage ich mich, woher sie all die Energie nimmt. Selbst wenn sie Büchlein guckt oder mal im sitzen spielt, sitzt sie nicht still. Es zappelt immer mindestens ein Bein oder sie wippt im Rhythmus als spielt irgendwo Musik. Sogar als sie noch nicht laufen konnte, hinderte sie das nicht daran, mobil zu sein. Sie kletterte auf alles, woran sich selbst hoch ziehen konnte. Und zack, wurde der Hochstuhl in die Küche geschoben, hochgeklettert und Madame saß Freude strahlend auf der Küchentheke.)

Über das Weglassen der Milch mache ich mir gar keine Gedanken, über die kleinen Portionen schon eher mal. Deshalb reichere ich etwa 2/3 ihrer Mahlzeiten mit Blattgrün an, da sind die wichtigsten Stoffe drin und ab und zu mische ich auch Superfoods unter. Somit ist auch bei kleinen Portionen der Tagesbedarf etlicher Nährstoffe gesichert. Wäre sie mäkelig, dann würde ich noch weiterhin Ersatzmilch geben. Ich hätte allerdings lieber länger gestillt.

PLANUNG FÜR DIE ZUKUNFT
Im Moment isst sie mit ihren Miniportionen noch zu kleine Mengen Gemüse, deshalb noch die Abdeckung einiger Nährstoffe über Kochnahrung wie z.B. Eisen ~ steckt zwar in fast jedem Obst und Gemüse aber bei kleinen Portionen reicht das nicht aus. In Amaranth und Hirse steckt so viel Eisen, dass eine kleine Portion ausreichend ist. Diese Getreide isst sie aber in der roh möglichen Form nicht. Sobald sie Gemüse und Obst in größeren Mengen isst, möchte ich weniger gekochte Getreide geben.
Natürlich möchte ich sie auch für eine gesunde Lebensweise sensibilisieren, dazu habe ich noch viel Zeit aber sie wächst mit der entsprechenden Gewohnheit auf.

 

Rohkost und vegane Kost gehört für mich dazu. Sobald sie es versteht, erkläre ich ihr, warum wir darauf achten, bestimmte Nahrung nicht zu essen und nicht zu kochen. Ich erkläre ihr, dass Kühe keine Milch geben, sondern ihre Kälber ernähren; dass es Nahrung gibt, die kein Mensch braucht; dass Naschen auch gesund geht und warum wir keine Tiere essen; wie wir gesund bleiben und was uns krank macht. Ernährung wird immer ein Thema in unserer Familie sein. Sie soll probieren was sie will, aber ich bringe ihr auf jeden Fall bei, verantwortungsvoll mit Nahrung und Gesundheit umzugehen. Und ich glaube, das erfordert gar nicht viel Arbeit. Wir haben unsere Eltern ja auch nie gefragt, warum wir dieses oder jenes essen, es war halt normal. Wie sie sich später ernähren möchte bleibt dann ihre Sache.

EINE FREUNDIN SAGTE MIR, SIE FINDET VEGAN VERANTWORTUNGSLOS UND GEFÄHRLICH
Schade, dass neu durchdachte, zukunftsfähige Möglichkeiten so schnell abgestempelt werden. Ich beachte fundierte Erkenntnisse und bin in Kontakt mit anderen Eltern, die die gleichen Erfahrungen gemacht haben. Ich gehe diesen Weg aufgrund fundierter Erkenntnisse. Ich lese sehr viele Fachbücher und Studien und beschäftige mich intensiv mit Nahrungs- und Körperwissen.


Ich weiß, mit wie viel Sorgfalt und Liebe ich die Nahrung meines Kindes wähle.

kinder roh vegan

PERSPEKTIVENWECHSEL FÜRS LEBEN
Für mich ist unsere derzeitig Ernährungsweise nicht geeignet ist, um ohne Zivilisationskrankheiten alt zu werden. Deutschland und Kanada haben die höchste Darmkrebsrate (40 %), jeder 3. Mensch hat Verdauungsprobleme, die schon als Normal hingenommen werden, (allerdings führen gerade diese Probleme schleichend zu Darmkrebs); jeder 4. Mensch nimmt im Alter Blutverdünner und Medikamente und wenn die Demenzrate weiter so steigt wie derzeit, haben wir 2050 eine Demenzrate von 113 %. Es sieht also schlecht aus, nicht davon betroffen zu sein. An ernährungsbedingten Krankheiten sterben 15 mal mehr Menschen als durch Unfälle oder sonstige Fremdeinwirkungen.
Meinen Kindern möchte ich einen Perspektivenwechsel fürs Leben mitgeben.
Bis auf leichte Erkältungen sind wir nie krank und auch die bisherige Entwicklung spricht für sich. Unsere Tochter kommt zwar schonmal mit laufender Nase von der Tagesmutter heim, aber mehr als das, hatte sie noch nicht. Und ich habe nie das Gefühl, dass sie sich mit Schniefnase schlapp oder schlecht fühlt. Meist ist nach 2 Tagen auch die Nase schon wieder gut.

Ich möchte nicht sagen, dass es diesen einen richtigen Weg gibt. Jedes Kind is(s)t anders und jede Ernährungsform kann man so gesund wie möglich gestalten. Aber wir machen uns Gedanken und nehmen Gesundheit als ein Geschenk an, welches wir bewahren.

ES IST NICHT SELBSTVERSTÄNDLICH, DASS WIR GESUND SIND, WIR HABEN ES SELBST IN DER HAND

3 Comments on “Unser Weg bei veganer Ernährung und Rohkost mit Kindern

  1. Danke für diesen schönen Bericht 🙂 Und mir erschließt es sich nicht, wieso Menschen es für verantwortungslos halten, dass Du Deinem Kind keine antibiotikadurchsetzten Lebensmittel mit Wachstums- und Sexualhormonen gibst 😉 Ich freue mich, dass Du eine der Mütter bist, die eine neue Generation von wachen und aufgeklärten Kindern erziehen :-))

  2. Wie reicherst du die Mahlzeit mit Blattgrün an? Habe nämlich dasselbe Problem mit meiner kleinen.

    Dank schonmal für Antwort.

    • Hallo Michelle,
      meinst du jetzt konkret für Kleinkinder? Also wir mixe unserer Kleinen überall, wo es geht, einfach was unter. Brotaufstriche beinhalten Blattgrün, Kräuter oder Brokkolie. An Rohes Brot kommt oft ein Teil Blattgrün ran. In Smoothies packe ich oft Weizengras mit rein und gebe es ihr dann trotzdem als “Bananenmilch”, obwohl da was grünes dran ist. Unsere Kleine isst auch gern Tofu mit Kartoffel (also nicht immer Rohes) und wenn ich die Kartoffeln dann klein drücke, schnibbel ich auch noch mit der Kräuterschere Petersilie ran oder Brokkolie ganz klein gekrümelt. Sie isst immer mehr auch Brote mit Aufstrick und Kresse drauf oder Blätter pur. Sie sieht es bei mir und kommt dann ganz oft an und sagt “ich brauche auch Salat”, dann mopst sie sich bei mir ein Blatt und kommt dann nochmal und nochmal und will immer wieder ein Blatt. Manches isst sie, manches nicht, sie probiert von selber weil sie es bei uns so sieht. Durch die Kita hat sie viel Gekochtes gegessen aber das fand ich nicht schlimm. Wir haben alle selbst gekocht und recht gesund, das war dann für mich ok. Es könnte an manchen Tagen mehr Grün sein aber alles in einem bin ich recht zufrieden.
      Wie sind deine Methoden bis jetzt? Hast du einen Geheimtipp für uns?
      Alles Liebe für dich und deine Familie

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