ÜBER 640 ZUGELASSENE PESTIZIDE // UND WIE SPRITZT BIO?

Bio ohne Pestizide 2

Was ist bei Bio anders? Ist es nun gesünder als konventionelles Obst und Gemüse? Enthält Bio mehr Nährstoffe oder einfach nur mehr toxische Pestizide? Oder steckt vielleicht viel mehr hinter dem Biosiegel?

 

Erstmal grundlegend – die Verwendung von Pestiziden und speziell im ökologischen Landbau von Fungiziden ist bei Bio fast ausschließlich verboten.

 

Bei konventioneller Landwirtschaft würde ich euch gern sagen, wie viele Pestizide verwendet werden. Ich habe mir jedoch die Arbeit erspart, die beim BVL (Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit) zugelassenen Pestizide zu zählen, denn die Listen umfassen insgesamt 1244 Seiten.

Lt. BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) sollen es um die 640 solcher sogenannten “Pflanzenschutzmittel” sein, die derzeit zugelassen sind.

Ein Pflanzenschutzmittel enthält bis zu 4 Wirkstoffe.

Wie gut dass wir die Wahl haben und darauf verzichten können.

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Aber wie schützen Bio-Bauern ihre Ernte vor Fäulnis, Krankheiten und Schädlingsbefall?

 

♥ Vorbeugen statt Tod spritzen
Bei Bio wird viel Wert auf ein intaktes Ökosystem gelegt, welches Schädlinge und Krankheiten selbst reguliert. Dazu kommt eine höhere Toleranzgrenze. Es wird kein makelloser Apfel erwartet. Viel mehr sind gewisse Makel natürlich.
Treten dennnoch Schäden auf, die die gesamte Ernte bedrohen könnten, werden meist natürliche Mittel eingesetzt. Diese kommen aber nur gezielt bei befallenen Obst- und Gemüsen zum Einsatz.

 

Es muss nicht jeder Wurm im Apfel chemisch bekämpft werden. Mansche Menschen mögen heutzutage einen Wurm im Apfel als eklig betrachten. Der Verzehr von Kleinstorganismen gehört jedoch zu unserer Urkost und ganz natürlichen Ernährung. Der Verzehr von Chemikalien hingegen nicht, abgesehen davon, dass dieser enorme Schäden hervorrufen kann.

 

♥ Vorbeugen

Um Schädlingsbefall und Krankheiten zu vermeiden, werden im Bio-Landbau vor allem robuste Sorten angebaut. Einige Sorten sind weniger anfällig für Krankheiten und können im Notfall mit milden natürlichen Mitteln gezielt behandelt werden.

 

♥ Intaktes ÖkosystemBio ohne Pestizide

Um den Schädlingsbefall in Grenzen zu halten, wird auf natürliche Feinde gesetzt. Hierfür werden gezielt Blühstreifen, Gräben, Hecken und Nistplätze angelegt, um ein Paradies für Nützlinge zu schaffen. In manchen Bio-Plantagen haben sich sogar nützliche Fledermauskolonien angesiedelt.

 

♥ Gute Böden – weniger Krankheiten

Böden werden durch natürliche Pflanzendüngung mit Malztreber, Erbsenschrot, Grünschnitt oder auf einfachste Art und Weise durch Bepflanzung bzw. Mischkultur oder Naturwiesen gedüngt und nährstoff- und artenreich gehalten.

Nützlinge, für die durch naturbelassene Flächen innerhalb der Anbauflächen ein Paradies geschaffen wird, beseitigen pilzbefallene Pflanzenteile. Sie regulieren damit die Ausbreitung von Pilzsporen und somit Krankheiten durch Pilzbefall.

Mulchen und natürliche Hefe sind ebenfalls beliebte Einsatzmittel, um am Boden liegende abgestorbene Pflanzenteile schnell zu zersetzen.

 

Während die Böden unter Monokultur zunehmend an Nährstoffen verarmen, versteppen oder mit Abwasserschlämmen, tierischer Überdüngung und Chemikalien belastet sind, erfreuen sich biologische Böden bester Gesundheit sowie einen sich selbst regulierenden Wasser- und Nährstoffhaushalt.

 

♥ Nützlinge

Gegen bestimmte Schädlinge werden auch gezielt Nützlinge eingesetzt werden. Diese kaufen übrigens nicht nur Biobauern ein. Auch im Privathaushalt können wir davon Gebrauch machen. Wir kaufen z.B. hin und wieder Nemathoden gegen Trauermücken, die sich gern in Blumenerde ansiedeln. Innerhalb von 3/4 Tagen hat sich das Trauermückenproblem meist erledigt. Bei e-nema.de findest du mehrere Nützlinge, Hintergrundwissen und kannst sogar Schädlinge einschicken um sie bestimmen zu lassen.

 

♥ Natürlicher Pflanzenschutz

Natürlich kommt es immer wieder vor, dass das ökologische Gleichgewicht gestört wird und Schädlinge vermehrt auftreten. Doch dann werden gezielt natürliche Mittel eingesetzt.

Gegen Läuse oder saugende Insekten werden pflanzliche Jauchen, pflanzliche Extrakte wie z.B. ein Extrakt aus den Kernen des indischen Neem-Baumes oder aus Quassiaholz sowie Rapsöl und Schmierseife angewendet. Die Vermehrung von bestimmten schädlichen Raupenarten wird mit Lockstoffen in Schach gehalten.

Es gibt noch weitere Mittel, die im Bio-Anbau zugelassen sind, jedoch alles reine Naturstoffe.

Angewendet wird zudem jeweils nur bei akutem Befall.

 

♥ Heilen statt vorbeugend spritzen

Im Bioanbau darf jedoch auch mit Kupfer, Schwefel oder Kalium Bikarbonat (Backpulver) behandelt werden. Zugelassen im Bioanbau sind 3 Kg Kupfer pro Hektar Land. Laut der Föko (Fördergemeinschaft ökologischer Obstbau) wurden jedoch in den letzten Jahren deutlich weniger als die zugelassenen Mengen verwendet. Im Vergleich dazu wird im konventionellen Obstanbau zwischen 35 und 40 Kg Kupfer pro Hektar Land verwendet. (Kupfer stört aktive Böden und Kleinstorganismen und sollte deshalb vermieden werden. Bioverbände suchen weiterhin nach Alternativen. Bei Regen oder mit dem Waschen der Früchte wird es von der Oberfläche entfernt. Kupfer legt sich nur oberflächlich auf die Früchte.

 

So sieht die Realität aus

Pestizide und Fungizide finden sich bei konventionellem Anbau auf der Oberfläche von Obst und Gemüse sowie in den Früchten und Blättern. Einfach nur Waschen oder die Schale abschneiden reicht da nicht aus. Laut Schrot & Korn (8/2014) sind 90% der konventionellen Obst und Gemüse gleich mit mehreren Pestiziden und Fungiziden belastet. Ähnlich spiegeln dies auch die Öko-Test Ergebnisse monaltich wieder.

Bio Obst und Gemüse ist nur seltenst pestizidbelastet (wenn, dann meist nur in Spuren und das durch Verunreinigungen durch Nachbarfelder oder menschliche Fehler).

Konventionelles Obst und Gemüse ist bis zu 500 mal stärker pestizidbelastet (Öko-Monitoring der Baden-Württembergischen Untersuchungsämter und Schrot & Korn 8/2014), und das ganz gezielt und gewollt und eben ohne menschliche Fehler.

 

Wie kommt es, dass bei Tests immer wieder Pestizide auch in Bio-Lebensmitteln gefunden werden?

Wie schon oben erwähnt passiert dies oft durch Verunreinigungen von Nachbarfeldern oder durch Behandlungsfehler. Man kann quasi sagen, würde es ausschließlich Bioanbau geben, so wie es vor der Industrialisierung und konventioneller Agrarwirtschaft auch einmal war, würde es dieses Problem nicht geben. Immerhin finden sich Pestizide in Bio-Lebensmitteln wenn, meist nur in Spuren.

 

Wenn du dir jetzt noch denkst, Bio kannst du dir aber nicht leisten, dann beantworte dir bitte mal ehrlich die folgenden Fragen:

Hast du schonmal die Preise im Bioladen zu denen im Supermarkt verglichen? Ist dir dabei aufgefallen, dass sie sich oft nur um ein paar Cent unterscheiden? Gerade Saisonales ist immer relativ günstig zu bekommen.

Bist du bereit für Nutella, Toast, Kekse, Chips, Frühstückspops, Softdrinks oder andere unnötige Non Foods Geld auszugeben? Wenn du dafür Geld übrig hast, dann hast du auch die paar Euro mehr für sauberes Essen übrig.

Durch Weg lassen dieser Non Foods wäre bei vielen Menschen sogar sehr viel Geld für sauberes Essen übrig.

 

Wir geben viel Geld für unnütze Lebensmittel aus, für noch teurere Autos, für das aktuellste Smartphone und andere Statussymbole. Warum steht dann unsere Gesundheit hinten an? Warum geben wir für sauberes Essen so wenig wie möglich aus nur weil es immer irgendwo noch billiger zu bekommen ist?

Ist uns unsere Gesundheit wirklich so wenig Wert?

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